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Buchstabenwirrwarr

LUAT ENIER SDUITE AN ENIER ELINGSHCEN UNVIRESTÄT IST ES EAGL, IN WLEHCER RIENHELFOGE DIE BCUHTSBAEN IN ENIEM WORT SETHEN; DAS ENIIZG WCIHITGE DBAEI IST, DASS DER ESTRE UND LZTETE BCUHTSBAE AM RCHIGITEN PALTZ SNID. DER RSET KNAN TTOLAER BÖLSDINN SEIN, UND DU KNASNT ES TORZTEDM ONHE PORBELME LSEEN. DAS GHET DSEAHLB, WEIL WIR NCHIT BCUHTSBAE FÜR BCUHTSBAE ENIZLEN LSEEN, SNODREN WRÖETR ALS GNAEZS.




GLÜCK

Der Regen tropfte von Dach und rann dann in langen, linienförmigen Bächen an den Seitenfenstern hinab. Die Scheibenwischer arbeiteten permanent. Ich schaute hinaus. Der Himmel war grau und verhangen. Es sah nicht nach Besserung aus.
Jan fluchte leise: „Auch das noch, da vorn ist ein Stau,“
Ich lehnte mich zurück und sah die vielen roten Rücklichter immer näher kommen. Jan bremste, auf der nassen Strasse rutschten wir ein wenig; ich spürte es. Ich machte das Radio an, bemerkte, dass der empfang wegen des Wetters miserabel war und stellte es wieder aus. Jan ließ den Motor laufen und lehnte sich nun auch zurück.
„Na, ist halt nicht zu ändern. Dann kommen wir eben später nach Haus.“ Vor uns bewegten sich ein paar Autos, es ging weiter. Doch dann nach zehn oder zwanzig Metern standen wir endgültig. Jan wartete ein bisschen, dann stellte er den Motor ab.
„Wahrscheinlich ein Unfall, hoffentlich ist niemand verletzt.“ Ich nickte.
„Möchtest du etwas essen? Ich habe ein paar Brötchen geschmiert.“
Jan sah mich erfreut an, dann nahm er mich in den Arm und gab mir einen Kuss. „Was für ein Glück, dass ich dich habe.“
Ich beugte mich hinunter und holte die Brötchen aus dem Proviantkorb. Lächelnd sah ich ihm beim Essen zu. Mir gingen Jans Worte durch den Kopf: Was für ein Glück, dass ich dich habe. Bei Jan wusste man nie genau, ob er etwas ernst meinte.
„Woran denkst du?“
„Daran, was du grade gesagt hast. War das ernst gemeint?“
Jan sah mich an: „Natürlich, ich bin wirklich froh, dass ich mit dir zusammen bin.“
Ich nahm Jans Hand und schaute wieder aus dem Fenster. In dem roten Mercedes vor uns steckte sich ein Mann gerade eine Zigarette an.
„Jan, was ist Glück?“
„Glück, ich weiß nicht, Glück kann vieles sein.“
Der Himmel war nun doch etwas heller geworden, es nieselte nur noch. Sogar die Sonne versuchte, hinter den Wolken hervorzukommen.
„Ja, da hast du Recht. Was für ein Glück wäre es für uns, wenn sich dieser Stau endlich auflöste!“
Jan lachte, wurde dann aber ernst: „Du hast etwas Wichtiges vergessen: die Liebe.“
„Die Liebe ist nicht immer Glück. Was wäre, wenn nur ich dich lieben würde und du mich nicht?“
Der Mann im Mercedes hatte seine Zigarette inzwischen aufgeraucht, und warf die Kippe auf die Strasse.
Jan sah mich nachdenklich an: „Sicher, das stimmt. Und trotzdem könntest du ohne Liebe nicht leben. Stell dir vor, niemand würde dich mögen: deine Eltern nicht, dein Bruder nicht, deine Freunde nicht. Wärst du dann glücklich?“
„Nein, natürlich nicht. Ich glaube, dass Liebe mit viel Glück zu tun hat, aber trotzdem muss Liebe nicht unbedingt Glück bedeuten.“
Die Sonne hatte es geschafft: die Wolken waren verdrängt. Ich wurde von den durchbrechenden Strahlen so geblendet, dass ich die Augen schließen musste.
„Du sprichst die ganze Zeit nur von dem Glück. Dabei gibt es so viele Kleinigkeiten, die einen glücklich machen können. Sind die nicht auch wichtig?“
Die Sonnenstrahlen kitzelten mich auf der Nase, während ich überlegte. „Wahrscheinlich hast du Recht. Ein Mensch braucht Glück, auch wenn es sich nur um eine Kleinigkeit handelt. Aber warum können wir dann nicht immer glücklich sein? Stell dir vor, es gäbe überhaupt kein Unglück auf der Welt. Wäre das nicht schön?“
Jan schüttelte langsam und bedächtig den Kopf.
„Du vergisst eines, wenn wir nicht traurig sein könnten, wenn wir nicht wüssten, was dieses Gefühl bedeutet, woher sollten wir dann das Glück kennen, wie uns glücklich fühlen? Das Unglück hat, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist das einzugestehen, dieselbe Berechtigung wie das Glück. Und außerdem lässt sich Glück nicht bestimmen, du kannst nicht sagen: Glück ist Liebe, Glück ist Freundschaft. Glück ist eine Empfindung, die einem das Leben verschönt und die für jeden Menschen was Eigenes darstellt.“
Eine Weile war es ruhig. Ich dachte über das Gehörte nach. Neben uns, auf der rechten Fahrspur, stellte ein Mann den Motor an. Weiter vorne bewegten sich die Autos bereits.
Ich sah wieder Jan an: „Eigentlich ist es schön, dass es etwas gibt, das die Menschen nicht beherrschen oder mit Geld kaufen können.“ Jan lächelte und nahm mich in den Arm: „Eben, sei doch einfach froh, dass du glücklich sein kannst.“
Ich schlang beide Arme um Jan und lächelte: „Ich bin glücklich.“

(aus: "Glück- junge leute schreiben")





Das letzte Kapitel einer wunderschönen Liebesgeschichte
(„Die Go-Spielerin“ von Shan Sa)


Peking ist erobert.
Wir haben den Befehl erhalten, das Land nach chinesischen Spionen und verletzten Soldaten durchzukämmen. Sie sollen alle hingerichtet werden.
Heute Morgen spüren meine Leute ein verdächtiges Geschöpf auf. Sie fesseln ihm die Hände auf den Rücken und schleppen es in die Mitte des Dorfes.
Es ist ein junger Spion mit struppigen Haaren, einer Verletzung am Arm. Zu große Studentenkleider schlottern um seinen Körper. Er hält hartnäckig seinen Kopf gesenkt und verharrt in dickköpfigem Schweigen.
Die Soldaten laden ihre Gewehre.
Mit einer Handbewegung unterbricht sie Leutnant Hayashi, der die Operation mit mir gemeinsam leitet. Er zieht seinen Säbel und sagt zu mir: „Sie haben immer Ihren Familiensäbel aus dem 16. Jahrhundert gerühmt. Meiner wurde 100 Jahre später geschmiedet. Aber seinerzeit nannte man ihn den „Köpfemäher“. Ich werde Ihnen eine kleine Vorstellung geben.“
Die Soldaten sind erregt von der Aussicht aus das Spektakel, sie schnalzen mit den Zungen und rufen sich Bemerkungen zu.
In der Haltung des Samurai, die er von alten Holzschnitten her kennt, mit gespreizten Beinen und gebeugten Knien, hebt Hayashi den Säbel hoch über seinen Kopf.
Langsam hebt der Gefangene die Augen.
Mich überkommt ein Schwindel.
„Warten Sie!“
Ich stürze auf den jungen Mann zu und wische sein Gesicht ab, das von Schlamm und Ruß geschwärzt ist. Darunter entdecke ich tränenförmige Sommersprossen.
„Fassen Sie mich nicht an“, brüllt sie.
„Eine Frau“, schreit Hayashi und steckt den Säbel zurück in die Scheide.
Er stößt mich zur Seite, reißt den Gefangenen zu Boden und steckt die Hand in die Hose.
Mein Herz erstarrt zu Eis.
Sie ist es!
Was macht sie hier, in diesem Dorf? Wann hat sie die Mandschurei verlassen?
„Eine Frau“, bestätigt Hayashi aufgeregt.
Das Mädchen schlägt um sich und stößt schrille Schreie aus. Er gibt ihr zwei Ohrfeigen, zieht ihr die Schuhe aus und reißt ihre Hose herunter. Dann öffnet er seinen Gürtel. Gefesselt glotzend bilden die Soldaten einen Kreis um ihn.
„Weg da! Jeder kommt dran!“, befiehlt er.
„Ihr Idioten!“
Ich werfe mich auf den Leutnant. Zornig wendet er mir sein Gesicht zu. Als er meine Pistole sieht, die auf seine Stirn gerichtet ist, beginnt er aus vollem Herzen zu lachen:
„In Ordnung, Sie sind der erste. Schließlich ist es Ihre Entdeckung.“
Ich antworte nicht. Er meint mich zu verstehen und flüstert mir ins Ohr: „Das ist das erste mal, oder? Wenn es Ihnen peinlich ist, so in der Öffentlichkeit, gehen Sie doch in diesen Tempel da, ich halte Wache an der Tür.“
Hayashi zieht mich zum gegenüberliegenden Tempel. Zwei Soldaten tragen das Mädchen und werfen sie auf den Boden. Kichernd schließen sie die Tür.
Sie zittert am ganzen Körper. Ich ziehe meine Jacke aus, um ihr die nackten Beine zu bedecken.
„Haben Sie keine Angst“, sage ich auf chinesisch.
Meine stimme verwirrt sie. Sie reißt die Augen auf und mustert mich. Unaussprechliches Leid verzerrt ihre Züge. Plötzlich spuckt sie mich an und wälzt sich schluchzend am Boden:
„Töte mich! Töte mich!“
Hayashi klopft an die Tür, ich höre ihn höhnisch lachen: „Leutnant, beeilen Sie sich, meine Soldaten können nicht mehr!“
Ich schließe meine Chinesin in die Arme. Sie beißt mir in die Schulter. Trotz des Schmerzes lege ich meine Wange an ihre. Tränen dringen in meine Augen. Ich flüstere:
„Vergib mir, vergib mir…“
Sie antwortet in hysterischen Schreien:
„Töte mich, ich bitte dich. Töte mich! Lass mich nicht am Leben!“
Hinter der Tür schreit Hayashi:
„Leutnant, Sie nehmen sich ein bisschen viel Zeit! Beeilen sie sich. Seien Sie nicht so egoistisch!“
Ich nehme meine Pistole in die Faust und drücke sie der Chinesin an die Schläfe, sie hebt den Kopf. Die Furcht ist aus ihren Augen gewichen. Sie betrachtet mich jetzt mit der Gleichgültigkeit, mit der sie stets einem Unbekannten begegnete.
Ich erschaudere und verstärke den Druck mit der Waffe: „Erkennen Sie mich wider?“
Sie schließt die Augen.
„Ich weiß, dass Sie mich hassen, ich weiß, dass Sie mir nicht vergeben werden. Jetzt ist mir Ihre Verachtung egal. Ich werde Sie töten, und mich selbst danach. Für Sie verzichte ich auf diesen Krieg, verrate ich mein Vaterland. Für Sie werde ich ein unwürdiger Sohn, ein Nachkomme, der die reihe seiner Vorfahren befleckt. Niemals wird mein Name im Tempel der Helden stehen. Er wird verdammt sein.“
Ich bedecke das Mädchen mit Küssen. Tränen rinnen über ihre Wangen. Sie lässt mich gewähren, ohne sich zu wehren.
Der Boden zittert unter den Schlägen von Gewehrkolben.
„Leutnant, sind Sie jetzt fertig? Ich zähle bis drei und dann komme ich! Eins…“
Ich habe keine Zeit mehr, sie zu fragen, warum sie ihre Heimat verlassen hat, warum sie ihre schönen Haare abgeschnitten hat. Ich habe tausend Fragen an sie, und ich werde nicht eine aussprechen. Nie habe ich ihr Liebesworte sagen können.
„Zwei…“
Ich flüstere ihr ins Ohr: „Haben Sie keine Angst. Ich komme nach. Ich beschütze Sie dort bei den Schatten.“
Sie öffnet die Augen und sieht mich an: „Ich heiße Gesang der Nacht.“
Aber schon habe ich auf den Abzug gedrückt. Ihre schwarzen Augen flackern, die Pupillen weiten sich. Das Blut spritzt aus ihren Schläfen. Mit aufgerissenen Augen stürzt sie auf den Hinterkopf.
Die Tür geht auf. Ich höre Schritte hinter mir. Verzweifelt merke ich, dass ich nicht einmal Zeit habe, mir wie ein würdiger Samurai den Bauch aufzuschlitzen.
Ich stecke die Waffe, mit ihrem Blut befleckt, in meinen Mund.
Ein Knall, das Erdbeben.
Ich falle über die Go-Spielerin. Ihr Gesicht erscheint mir rosiger als eben. Sie lächelt. Ich weiß, dass unser Spiel da oben weitergeht.
Um meine Geliebte zu betrachten, strenge ich mich an und halte die Augen geöffnet.




Geschichten aus: "Sernenkinder" von Clara Asscher-Pinkhof

SCHWERER GANG

Die junge Mutter wartet, bis es dämmert. So ist es besprochen, denn bei Tageslicht darf man so etwas nicht.
„Wir gehen zum Kasperletheater“, jauchzt das helle Stimmchen neben ihr immer wieder.
Wie kommt das Kind nur darauf? Sie hat es ihm nicht gesagt, sie hat nicht lügen wollen.
„Ja“, murmelt sie. „Nun Vater auf Wiedersehen sagen und ein Küsschen geben, weil wir ausgehen.“
Als das Kind auf Zehenspitzen vor dem Vater steht und die Lippen spitzt, blickt der junge Mann hilflos zu der jungen Frau hinüber, die ihm tapfer zunickt. Ihr Lächeln bedeutet: Nicht Abschied nehmen! Haben wir uns nicht versprochen, dass sie wie zu einem Fest von uns gehen soll?
„Auf Wiedersehen, Schätzchen, viel Vergnügen!“
„Wir gehen zum Kasperletheater!“, ist das letzte Wort, das er von der kleinen Tochter hört.
Unterwegs in den düsteren Gassen plappert das Kind ohne Unterlass.
„Warum ist es so dunkel auf der Straße?!"
„Weil der Mond noch schläft.“
„Aber im Kasperletheater ist es hell, nicht?“
„O ja.“
Während sie antwortet, jagen ihr die Gedanken durch den Kopf… Sie ist blond und ein Mädchen, sonst wäre es unmöglich… Ich muss froh sein, dass sie blond und ein Mädchen ist. Ich muss froh sein, dass sie von mir wegkommt…
„Und ich brauche noch lange nicht ins Bett, nicht wahr? Weil ich so lieb gewesen bin, ja?“
„Weil du so lieb gewesen bist.“
Ihre Gedanken fragen: Bist du so lieb, auch wenn du unter Fremden bist, die ich nicht kennen lernen darf, weil es gefährlich ist? Wirst du auch noch lieb sein, wenn ich dich zurückbekomme? Oder sehe ich dich niemals wieder?
„Ist das Kasperletheater weit?“
„Ich weiß nicht, ich bringe dich zu einer Tante, und die geht mit dir hin.“
„Ist es weit bis zu der Tante?“
„Nein wir sind gleich da.“
„Warum gehst du nicht mit mir zum Kasperletheater?“
„Ich habe keine Zeit.“
„Aber ein andermal.“
„Ja, ein andermal.“
Sie denkt: Lügner…Lügner sind wir!
Der Koffer wird immer schwerer in der einen Hand, die andere umkrampft die Kinderfinger.
Dann erreichen sie das Haus, wo die Übergabe stattfinden soll.
Während sie mit dem Kind die Treppe hinaufsteigt, will sie an das Kasperletheater denken.
Die Kleine hat ihr den Gedanken an ein festliches Ereignis wie einen Ball zugespielt, nun muss sie ihn auch auffangen.
Oben auf der Treppe kann sie wirklich mitlachen.

Das junge Mädchen, das schon viele Sternenkinder vermittelt hat und ernst und von ihrer gefährlichen Aufgabe erfüllt wartet, muss sich einen Augenblick an die Mutter gewöhnen, die lächelnd ein Kind weggibt, vielleicht für das ganze Leben. Dann aber spielt es mit, geht auf den Kasperle-Einfall ein und nimmt sich vor ihn wahr zu machen, sobald die Kleine in dem neuen Hafen angekommen ist.
„Gehst du jetzt mit mir?“ fragt das Kind ungeduldig, weil es das fröhliche Abenteuer nicht erwarten kann.
„Ja“, antwortet das Mädchen. „Aber erst musst du der Mutter auf Wiedersehen sagen.“
Das Mädchen ist gewohnt, dass nun ein Anklammern und Losreißen beginnt. Oft bricht ihr dabei selbst fast das herz.
Das Kind gibt der Mutter nur einen flüchtigen Kuss.
„Wiedersehen! Brauche ich noch lange nicht ins Bett?“
„Nein“, sagt die Mutter und findet an dem Kasperle-Spiel keinen Halt mehr. „Auf Wiedersehen, mein Herz, viel Vergnügen!“
Das Kind blickt sie aufmerksam an.
„Bist du traurig, dass du nicht mitdarfst?“
Die Mutter nickt nur, blickt ohnmächtig auf das junge Mädchen und denkt mühsam, dass sie jetzt gehen muss und die Qual nicht verlängern darf.
Da sagt das Kind, indem es die Mutter noch einmal küsst und jedes Wort betont:
“Wenn du nicht weinst, darfst du nächstes Mal mit, ja?“




GROßVATER, WAS IST FREIWILLIG?

In der hereinströmenden Menge leuchtet ein weißer Kopf. Sie sind zu dritt gekommen, Großvater, Mutter und sie, nun kann nichts Schlimmes mehr geschehen.
Sie sieht nicht, dass der Großvater der einzige Weißhaarige ist. Sie weiß nichts von de Begrenzungen der Jahrgänge und dass alte Menschen noch frei sind. Sie weiß nur, dass sie ihre Rucksäcke gepackt und alles aus ihrem Häuschen mitgenommen haben, was Mutter für nötig hielt. Sie ließen nichts zurück, nichts und niemand. Das Kätzchen haben sie zu nichtjüdischen Nachbarn gebracht, die es gut pflegen werden. Die Nachbarin hat schrecklich geweint, als sie alle drei auf Wiedersehen sagten. Der Nachbar hat die Faust geballt. Sie weiß, gegen wen er die Hand hob, obwohl er es wortlos tat und auch sie nicht sprachen, weil man jetzt überhaupt nichts mehr laut sagen darf. Die Frau hat sie auf den Arm genommen und geliebkost. Sie wird bestimmt gut für das Kätschen sorgen.
Die Rucksäcke sind ihnen im Sternenhaus abgenommen worden. Nun geht sie zufrieden zwischen Mutter und Großvater weiter. Immer wieder findet sich jemand, der ihnen den Weg zu den Plätzen zeigt, auf denen sie sich bis zum Abtransport aufhalten sollen.
Alle, mit denen sie sprechen, blicken ein wenig erstaunt auf Großvater. Gewiss wussten sie gar nicht, dass es so liebe Großväter gibt.
Jemand sagt erstaunt: „Sie brauchen doch gar nicht hier zu sein. Sie haben gewiss die Altersgrenze schon längst überschritten.“
Großvater schüttelt den Kopf.
„Ich gehe freiwillig. Ich lasse meine Tochter und mein Enkelkind nicht allein.“
Der andere nickt und versteht; er begreift es besser als sie. Dass der Großvater Mutter und sie nicht allein gehen lässt, das ist doch selbstverständlich. Aber freiwillig? Was ist freiwillig?
Als sie nebeneinander auf drei hübschen Stühlen sitzen, sie in der Mitte, legt sie die Hand auf Großvaters Arm. Er betrachtet die Menschen um sie herum und das unaufhörliche Gedränge und neigt das weiße Haupt zu ihr.
„Was möchtest du?“
„Großvater, was ist freiwillig?“
Er überlegt einen Augenblick.
„Freiwillig, das ist, wenn du etwas nicht musst und es doch tust.“
Sie schweigt. Nicht müssen? Und doch tun?
„Aber wir mussten doch, sonst wären wir ja nicht gegangen.“
„Ich musste nicht. Ich bin freiwillig gegangen.“
Sie kann es wirklich nicht begreifen, sie ist noch zu klein.
„Aber du musstest doch, Großvater! Sonst wärst du ganz allein zu Hause gewesen. Und wir hätten nicht ohne dich gehen können.“
Großvater nimmt ihren Kopf zwischen die Hände und küsst sie aufs haar.
„Deshalb“, sagt er, „deshalb musste ich gehen. Deshalb musste ich freiwillig gehen.“
Da versucht sie nicht mehr zu verstehen, was freiwillig bedeutet.



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